Radtour Oberau - Lindau

Kurzurlaub in den Österreichischen Alpen:

von Oberau bis Lindau

 


Mit Rädern und Gepäck fuhren wir zum Kölner Hauptbahnhof, um mit dem Nachtzug (City Night Line - auf neudeutsch) bis München und dann mit der Regionalbahn nach Oberau (bei Garmisch-Partenkirchen) zu gelangen. Von dort galt es an drei Tagen nach Lindau zu fahren, um dort wiederum, allerdings mit zweimaligem Umsteigen ab Ulm mit dem Nachtzug zurück nach Köln zu kommen.

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Dies nun ist die Geschichte unserer Alpentour. Seit 1996 warten wir auf das Erlebnis wieder "richtige" Berge fahren und sehen zu können. Seinerzeit waren wir mit Celina im Anhänger in den französischen Alpen, u.a. über Col du Galibier und Col de l'Iseran unterwegs.


Panorama vom Furkapass

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 Liegeabteil im Nachtzug
 

Ankunft in Oberau

 Am Ettaler Sattel (869 m)
 

Küstenstraße am Plansee

 Kartenstudium bei einer Pause am Plansee
 Das Lechtal
 Zeltplatz in Häselgehr im Lechtal
 Ausklingen des Tages am Lech
 Aussicht auf die uns umgebenden Berge
 Holzschnitzereien gibt es hier am Lech sehr viele
 Die Kirchen hatten aufällige Zwiebeldächer
 Pension Bergheim
 Hochtannbergpass (1690 m)
 Badhaus bei der Rast nach dem Pass
 Regenschauer in Au
 Zeltplatz in Au am frühen Morgen vor dem Start zur Königsetappe
 Immer mehr konnten wir von den Bergen sehen
 Passstraße zum Furkajoch
 Die letzten Kilometer zum Furkajoch
 Verdientes Bier am Furkajoch (1761 m)
 Überall Holzhäuser und strickende ältere Damen davor
 Schnelle Abfahrt auf winziger Straße
 Das Rheintal - die Berge waren schon schöner
 Lindau am Bodensee in prächtiger Abendsonne
 Die Nacht verbrachten wir auf dem Bahnsteig
 ... aber am Morgen schien die Sonne und der Zug sollte bald kommen.

Alles verlief bis zum Umsteig in München glatt: wir konnten (für teures Geld) im Liegeabteil schlafen und unsere Räder samt reichlich Gepäck gut unterbringen. Unsicher indes war nur, wo wohl der nächste Zug in München abfahren würde - und würden wir es zeitlich schaffen? Wir erreichten den Regionalzug, fanden sogleich das Fahrradabteil - doch dieses war bis obenhin voll! Nicht etwa ein Rad neben dem anderen - es stapelte sich fast.
Dennoch - wir brachten auch unsere Räder noch unter - wie auch noch ein halbes Dutzend weitere Radler. Doch von Station zu Station wurden es mehr. Immer höher wuchs der Fahrraddschungel und wir vermeinten schon kaum noch aus dem Zug zu kommen. Der ein oder andere Depp musste natürlich überflüssigerweise noch an sein Rad und wuchtete sich über all die Stahlrosse, dass sich dieselben bogen.
Ein Herr mit Hut begann in Panik allein seine Räder aus dem Abteil zu wuchten: wie wir alle amüsiert feststellten - er hätte ja auch um Hilfe fragen können. Die erste Station verpasste er - bei der nächsten hatten wir ein Einsehen mit dem armen Tropf.

Schließlich waren wir an der Reihe. Man half uns unsere Räder über all die anderen hinaus zu tragen. Beim nicht enden wollenden Gepäck fiel die ein oder andere verständnislose Bemerkung - aber mit Zelt brauch man eben etwas mehr. Wir hatten jeweils vier Packtaschen und eine Zeltrolle, Iso-Matten und Campingstühle dabei: Gesamtgewicht des Gepäcks: ca. 60 kg. In Oberau starteten wir am Donnerstag morgen bei blendendem Wetter. An einer Tankstelle versorgten wir uns erst einmal mit Kaffee und belegten Brötchen - die Bäckereien hatten trotz oder wegen des Feiertags geschlossen. Sogleich begann die Straße sich bei 6-7 % hinauf zu winden. Schnell erreichten wir den Ettaler Sattel, die ersten 250 Höhenmeter waren schon überwunden. Den Ammer Sattel, gleichzeitig Grenze zu Österreich, haben wir als solchen gar nicht wahrgenommen. Viel schlimmer waren die tausend Motorradfahrer, die einen Höllenlärm verursachten. Wenn ich zu Hause bin, werde ich Jürgen den Schlüssel wegnehmen und seine Schüssel platt machen. Schnell waren wir oben und noch viel schneller wieder unten. Die Küstenstraße am Rande des Plansees und die umgebenden Berge machten diese Etappe zum Erlebnis. Von Reutte fuhren wir ins Lechtal, das wiederum von herrlicher Bergwelt flankiert wurde. Schon am frühen nachmittag erreichten wir den Zeltplatz in Häselgehr. Nach kurzem Aufenthalt am Lech fanden wir verständlicherweise sehr früh in unsere Schlafsäcke. Schon am frühen morgen zogen wir ohne Frühstück weiter. Das machten wir uns, solange wir ohne Kinder fahrradtouren, zur Gewohnheit. Man fährt sich ein wenig warm und hungrig und kann mit großem Appetit in Ruhe unterwegs einkaufen und frühstücken. Wir folgten dem Lechtal bis Warth. Die Steigungen, max. bei 8-9 %, begannen hinter Steeg. Schnell, viel zu schnell waren wir auf dem Hochtannbergpass und wir konnten weitere 400 Höhenmeter verbuchen. Leider war uns mangels Gastronomie unser verdientes Bierchen vorenthalten worden. Aber wenige Kilometer in rasender Geschwindigkeit passabwärts fanden wir eine Möglichkeit zur Einkehr bei Pfannkuchen und Bier. Beides wurde uns von einem netten, ansehnlichen Meisje aus Holland kredenzt. Zwischenzeitlich tat sich ein kleiner Regenschauer auf, der uns jedoch, im Trockenen sitzend, nicht anfocht. Bis Au ging die heutige Etappe nur noch wenige Kilometer bergab. Wir hatten kaum unser Zelt aufgestellt und trollten uns zum Einkauf, da öffneten sich erneut die Himmelsschleusen. Wir konnten einen gewaltigen Platzregen beobachten - erneut ohne selbst nass zu werden. Nach Regen folgt Sonnenschein und so erkundeten wir noch ein bisschen den Ort, kehrten kurz ein und genossen den frühen Abend in dieser Bergkulisse vom Feinsten. Man sprach uns an und freute sich mit uns über Wetterglück. "Wo wollt Ihr denn noch hin?" fragte man uns. "Nach Lindau", antworteten wir, "aber über das Furkajoch". "Das ist aber ein Umweg und außerdem hoch und bergig." "Ja, deswegen sind wir hier", antworteten wir. Nach intensivem Kartenstudium fiel Lioba gleichwohl auf, dass nun die Königsetappe kommt. Das bedeutete ca. 20 Kilometer hinauf und das bei 7-14 %, über 900 Höhenmeter also. Mit vielen Pausen, herrlichen Eindrücken, literweise Schweiß und einem tollen Gefühl erreichten wir den Pass. Radfahrer ohne Gepäck zollten uns Respekt und motivierten uns weiter mit "Bravo" - Rufen. Es war schon ein hartes Stück Arbeit - an den 12 % Stücken schmerzten die Muskeln doch schon arg, aber wir kämpften uns hoch und stellten am Ende fest: nicht die Muskulatur allein ist entscheidend sondern vor allem der Kopf. Wir hatten die ganze Zeit Bammel vor dem letzten Stück - es sollte eine 14 % Steigung sein. Tatsächlich traf dies gar nicht zu - der Pass war am Ende sehr moderat - und wie so oft von landschaftlicher Imposanz geprägt. Hier nun bekamen wir auch unser Bier. Viel zu schnell waren wir wieder unten, auch wenn wir oft anhielten und die Landschaft aufsogen. Im Rheintal war es stickig und diesig.   Wir fuhren noch 50 Kilometer bis Lindau mit gelegentlicher Pause beim Biere oder zum Essen. Ein Gewitter beehrte uns mit ein paar Regentropfen - mehr gab es nicht an Wetterunbill. Am Campingplatz in Lindau nahm man uns sage und schreibe 5 Euro für's Duschen ab - dann rollten wir in Lindau am Hauptbahnhof ein, um unseren Zug nach Hause zu erreichen. Nach einigen Sekt und Bier beim Hafenfest ging es wieder gen Heimat. Wir waren dennoch skeptisch, ob wir wohl unseren Anschlusszug erreichen würden - denn zum Umsteigen blieben uns nur 6 min.. Und tatsächlich - auch wenn nur wenig los war, es war immerhin schon 22:50 Uhr, schaffte man es auf über 5 min. Verspätung! Nun wich sämtliche gerade gewonnene Farbe wieder aus unseren Gesichtern. Ich verständigte den Zugbegleiter er möge den Anschlusszug anrufen und zum Warten bewegen. Dieser Bitte wurde entsprochen. In unsäglicher Eile verließen wir den Zug, packten unsere Siebensachen auf die Räder und ich stürzte mich mit meinem vollbepackten Rad die nächstgelegene Treppe hinab und am entsprechenden Bahnsteig wieder hinauf. Auf halber Strecke half mir jemand mein gewaltiges Gewicht die Treppe hinauf zu wuchten - doch kaum oben sagte dieser Jemang: "Der Zug ist schon weg". Erst begriff ich gar nicht richtig, doch dann kam unbeschreibliche Wut in mir hoch. "Sch... Bundesbahn, verdammt noch einmal ..." und viele weitere nicht druckreife Ausrufe gab ich von mir - mehr um meiner Wut Herr zu werden als irgendjemand erreichen zu können. Wir ließen die Flügel hängen und armseligten am verlassenen Bahnhof in Kempten herum, bar jeder Alternative. Es gab kein Hotel in der Nähe - draußen war alles dunkel und wir kannten uns nicht aus - und so ließen wir uns im Bahnhof nieder. Ein junges Pärchen hatte ein ähnliches Schicksal ereilt und einige dubiose Gestalten fanden sich leider auch noch ein. Um 2:00 Uhr wurden wir vom Wachpersonal aus dem Bahnhof gescheucht. Mit riesigen Fragezeichen über unseren Köpfen fuhren wir erst einmal irgendwo in die Dunkelheit und hofften einen Zeltplatz zu finden. Ich hatte allerdings keine Lust noch ein Zelt in dunkler Gegend aufzustellen. Am Ende fanden wir einen Weg samt und sonders auf die Bahnsteige zu gelangen - dort fanden wir Bänke, Dach und einen Platz für unsere Räder und immerhin noch 3 Std. Schlaf. Nach besagten Stunden fand uns ein erst finster dreinblickender Zugführer, dessen Miene sich deutlich freundlicher gestaltete, nachdem er unsere Geschichte vernommen hatte. Es gab einen IC, der dann um 11:00 Uhr direkt nach Köln fuhr und der uns nebst Gepäck und Räder auch aufnahm.  Tja, und so waren wir dann am Sonntag um 18:00 Uhr nach einer rasenden Fahrt vom Bahnhof nach Fliesteden wieder daheim, bekamen von meinen Schwiegereltern Spargel angeboten und trollten uns noch zum Tanzen. .. ..

 

 Höhenprofil der Tour

Zum Schluß noch ein bißchen Statistik:

Etappe Ziel KM HM Höchst-
geschw.
Fahrt-
zeit (Std.)
Durch-
schnitt
Pässe Höhe
 1  Köln Hbf

 21.82

   35,1 1:31:59 14,23    
 2  Häselgehr

 75,85

 563

 55,0 4:45:25 15,90

Ettaler Sattel
Ammer Sattel

869 m
1118 m

 3  Au

 54,02

 675

 52,5 3:53:24 13,88 Hochtannbergpass

 1675 m

 4  Lindau Hbf

 95,80

 969

 58,9 6:45:45 14,10 Furkajoch

1761 m

 5  Fliesteden

 34,06

   31,9 2:33:31 13,31    
 Gesamt  

 281,55

 2207

         

 

 

 

Als Schmankerl noch den Eierflipp: Bitte hier klicken 

erstellt von Uwe Böcker

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