Ein Fäßchen in der Eifel
Zur Bildergalerie geht es hier.
Es gibt etwas zu feiern: unsere fünfte gemeinsame Wandertour und Detlev hat 6 kg Lebendgewicht verloren. Letzteres ist zwar prozentual nicht allzu viel, aber doch ein wegweisender Erfolg, der es erlaubt das ein oder andere Kölsch wieder zu genießen.
Monschau
Meine liebe Frau Lioba brachte uns zeitig am Morgen mit dem Auto nach Monschau. In Gemünd stellten wir, für die Rückfahrt, Franks Auto ab.
Es dauerte in Monschau eine Weile, bis wir herausgefunden hatten in welche Richtung wir nun dem gut beschilderten Eifelsteig folgen sollten. Dank Reiseführer und Karte fanden wir doch noch den rechten Weg, allerdings hatten wir so noch einiges der vorangehenden Etappe zu laufen. Aus den eigentlich 25,5 km wurden so mindestens 2 km mehr, die uns aber quer über enge Gässchen und Treppen durch Monschau führten.
Frank, seines Zeichens Spieß, Kommisskopp und Antreiber unserer Crew, legte uns gleich darauf fest, die erste Pause frühestens bei Kilometer 10,0 zu machen. Genau bei Kilometer zehn legten wir dann endlich eine ergiebige Rast ein. Frikadellen, französisches Brot, Käse, Wurst und allerlei weitere Leckereien breiteten wir auf einem Tisch aus. Und Detlev zog ein fünf Liter Fässchen leckeres Reissdorf Kölsch aus seinem Rucksack hervor, noch gut gekühlt und wohlschmeckenden Inhalts.
Derweil wir glücklich unseren Gerstensaft zu uns nahmen, passierten weitere Wanderer unseren heimeligen Rastort in einer Sägemühle. „Boor, die haben Kölsch“, rief plötzlich jemand neidvoll. Zwei Viererteams Wanderer, die ebenfalls nach Einruhr wanderten, gingen neidvollen Blickes an uns vorbei. Dank unserer Stärkung holten wir beide Gruppen wenig später wieder ein. An einer exponierten Stelle, der Wanderweg führte übers Eck unterhalb an einer Bank vorbei, zogen wir erneut unser Fässchen hervor und füllten nicht ohne Stolz unsere Bierbecher. Es war ein krönendes Erlebnis, denn fast alle Wanderer leckten sich die Lippen.
Wenige Kilometer vor Einruhr erlebten wir wieder unseren Detlev: „Ääh,“ begann er, „ich muss gestehen, dass ich die Adresse unserer Unterkunft zu Hause vergessen habe.“ Noch lachten wir, weil wir das für einen nett gemeinten Scherz hielten.
„Das ist nur ein Ulk, oder?“
„Nein, das ist leider keiner.“
„Aber den Namen weist Du noch, eine Telefonnummer, irgendwas?“
„Ungefähr, den Namen vielleicht, aber ich weiß wie das Haus aussieht. Das finden wir bestimmt!“
Angesichts unserer mittlerweile wunden Füße und etwas angespannten Muskulatur waren wir von der Aussicht einer Ortsbegehung nur mäßig begeistert. In der ersten Gyrosbude Einruhrs fand sich zum Glück jemand, der mit der Klangfolge des Namens etwas anfangen konnte, so dass wir ohne Experimente unsere Unterkunft fanden. Eine sehr nette ältere Dame, die wir auf der Straße aufgabelten, derweil sie ein Schwätzchen hielt, ließ uns in unsere Zimmer.
Am Abend trafen wir auch unsere Wandertrüppchen wieder, die es sich nicht nehmen ließen Ihre Weizenbiergläser in unsere Richtung zu heben. Auch zwei jüngere Damen, die wir unterwegs hinter uns gelassen hatten, trafen wir beim Abendessen und beim anschließenden Umtrunk wieder. Die dunklere der Beiden glaubte stur und unwiderruflich, dass wir eine Abkürzung genommen hätten. Wir verzichteten mangels Aussicht auf Erfolg auf jedwede Überzeugungsversuche.
Mit leichtem bis schweren Muskelkater begaben wir uns auf unsere zweite Etappe, von Einruhr nach Gemünd. Diesmal waren es nur 21 Kilometer. Und auch hier liefen wir einen kleinen Umweg, verliefen uns bei Einruhr noch, bevor wir in den Nationalpark Eifel eintauchten, so dass am Ende weitere Zusatzkilometer zu verbuchen waren. Im Nationalpark war es verboten vom Wege abzuweichen, vor allem wegen der wohl noch hier und dort anzutreffenden Kampfmittel aus der Nutzung als Militärübungsgelände.
Wieder gab Frank die Parole „Pause erst in Wollsiefen“ aus, was wieder knapp 10 Kilometer bis zur ersten ergiebigen Rast bedeuten sollte. Wollsiefen ist ein Dorf, dass für die britischen Truppen 1946 von den Bewohnern geräumt werden musste und später von den Belgischen als Übungsgelände für Häuserkampf verwendet wurde. Dementsprechend trist und unwohnlich war es dort, so dass wir uns entschlossen bis zur Ordensburg Vogelsang weiterzulaufen.
Die Ordensburg, einst Schulungsgelände für angehende Nazi-Offiziere, war von der bebauten Fläche auf der Karte größer als Einruhr. Dort fand sich jedoch ein Menschenauflauf, der unsere wohlige Wanderruhe störte. Wegen Einweihung der Urfttalsperrenbrücke und eines Radaktionstages war ein Volksfest auf der Ordensburg im Gange. Wir labten uns am Biere und Reibekuchen und trollten uns alsbald. Heerscharen von Spaziergängern kamen uns noch eine Weile entgegen, bis wir endlich aus der mittleren Reichweite des Geschehens entkamen. An der Kickley erlebten wir die Aussicht auf Gemünd und ein älteres Ehepaar, dass auf dem Wanderweg mit Klapp- und Cityrad unterwegs waren. Die Dame war, des schlechten und anstrengenden Weges wegen, doch ziemlich angefressen, während der Herr noch Galgenhumor bewies.
In Gemünd schließlich ließ Frank es sich nicht nehmen erst die Rucksäcke im Auto zu verstauen, was im Nachhinein betrachtet auch sinnvoll war, bevor wir zum Abschlussessen schreiteten. Auch eine Flasche Eifelgeist konnte so schon einmal sicher verstaut werden. Leider hatten wir nicht gesehen, dass der Parkplatz eines Parkscheins bedurft hätte. Eine nette Mitteilung des Ordnungsamtes an Franks Autoscheibe verkündete den baldigen Eingang einer entsprechenden Geldforderung.
Trotzdem ließen wir uns nicht verdrießen. Beim opulenten Abschlussmahl trafen wir einen Wanderer, den wir morgens beim Frühstück gesehen hatten, wieder.
Pläne für das nächste Jahr schmiedeten wir auch, aber dazu dann zu gegebener Zeit aus gegebenem Anlass mehr. Es wird wohl der Rheinsteig sein.
Info
Der Eifelsteig, zumindest die zwei Etappen, Etappe 3 und 4 vom gesamten Weg, die wir nahmen, ist ein landschaftlich lohnender Wanderweg. Die Beschilderung ist ausgezeichnet. Er ist allerdings auch anspruchsvoll, d.h. die Etappen waren lang und es gab einiges an Höhe zu überwinden. Insgesamt sind wir von Monschau über Einruhr (24,5 km) bis Gemünd (21,0 km) wohl mit Umwegen 50 km unterwegs gewesen. Die angegebenen Zeiten des Reiseführers (ca. 8 und ca. 7 Std. Laufzeit sind realistisch, im Internet http://www.eifelsteig.de/ sind 6 und 5,5 Std. angeben, was auch gestandene Wanderer kaum erreichen dürften



