Auf den Spuren der Römer
Auf den Spuren der alten Römer auf dem Römersteig an der Mosel
Wandertour Minheim -Trittenheim
Schon oder erst im April hatte Detlev sich um Route und vor allem Unterkunft gekümmert. Jetzt war es endlich soweit. Lorenz kam eigens aus Spanien angereist und am Abend des 12. Oktobers klingelte ein bebrillter langhaariger grau melierter Herr an meiner Tür: „Guten Abend Herr Professor“ empfing ich meinen Freund Lorenz, den spanischen Asylanten.
Im Vorfeld hatte es noch einige Irritationen zur Anreise gegeben. Wir waren heimlich still und leise davon ausgegangen, dass uns Frank wieder kutschieren würde - aber Pustekuchen - sein Wagen wurde gebraucht und es könne ja auch einmal jemand anders fahren. Frank hatte natürlich Recht und Detlev suchte im Internet Zugverbindungen heraus. Die Fahrt mit dem Zug allerdings hätte mehr Zeit als die Wanderung selbst in Anspruch genommen.
Ich bot also meinen Mini als Transportmittel an, was wiederum Lorenz missfiel. Detlev trat wieder auf den Plan und bot ein Mietauto, dass wir über Frank Reimer bekommen sollten an. Man entschied sich für Lorenz’ Klapperkiste, während ich entschied mit dem Mini zu fahren. Nicht nur da ich Lorenz Gefährt misstraute, sondern weil ich am Sonntag noch rechtzeitig zum Tanzen in Fliesteden sein wollte, konnte mich auch niemand umstimmen. Nach sehr gemütlicher entspannter Fahrt, Lorenz fahrbarer Untersatz schaffte mit Mühe 100 km/h, erreichten wir schließlich Minheim. Wir fanden erst einen geeigneten Parkplatz, als uns ein netter ortskundig dreinblickender älterer Herr einen Tip gegeben hatte. Wir schnallten die Rucksäcke auf und machten uns an der Mosel auf den Weg zum Römersteig.
Die Beschilderung des Römersteigs, wenn sie mal zu sehen war, bestand aus aufwändigen überdimensionierten Schildern mit weißer Schrift auf grauem Grund. Die Beschilderung fehlte allerdings mancherorts, was unseren wohl ausgeprägten Orientierungssinn auf den Plan rief. Wir spazierten gemütlich des Wegs und hatten uns sehr viel zu erzählen. Ständig hielten wir an, da uns Männer mehrere gleichzeitige Tätigkeiten sehr anstrengen.
Die erste kurze Rast machten wir an der Pestkapelle. Wir hatten reichlich Lidl und Plus Frikadellen dabei, die wir fachmännisch zerlegten und mit Senf in unsere Mägen entsorgten.
Der Anstieg hierher war kurz aber steil und bescherte uns eine eine weite Sicht auf das unter uns liegende malerische Moseltal und Piesport. Der Frühnebel wich der plastischen Beleuchtung der herbstlichen Sonne. Da die Beschilderung hoffnungslos versagte kletterten oder rutschten wir manchen Weinberghang herunter, bis wir schließlich am Kelterfest in Piesport auskamen. Frank war, als gewandter Kletterer, einen Hinterhof dort hinab gestiegen, während wir einen regulären Weg dorthin benutzten. Schon war unser Frank verschwunden.
Wir fanden ihn schließlich, als er sich an einem Weinstand mit Piesporter Goldtröpfchen versorgte. Nachdem Detlev und ich es ihm gleichgetan hatten zogen wir bis zur römischen Kelteranlage weiter um ergiebig zu rasten. Wir versuchten die Keltertechnik zu ergründen und schlachteten endlich unser Kölschfässchen, dass wir bis hierher mitgetragen hatten. Das war zwar für eine Weingegend etwas unpassend aber schmeckte vorzüglich und löschte den Durst. Als wir unseren Weg fortsetzten wurden wir von jedweder Beschilderung wieder alleine gelassen. Unsere Intuition führte uns aber auf den rechten Weg. An einer weiteren Kapelle vorbei bewegten wir uns auf einen schmalen Pfad zu. Ein Schild warnte uns: „geübte Wanderer, die schwindelfrei sind und über trittfestes Schuhwerk verfügen“ waren gefordert.
An Weißlei und Rowerlei fanden wir einen Pfad vor, der zweier unterschiedlich lange Beine bedurfte.
Rechts ging es steil hinauf, links ebenso steil hinunter - nur viele Bäume versperrten die Sicht auf die Mosel. Das aufgeschüttete Herbstlaub verursachte manchen Fehltritt, aber die Ausrutscher hatten keine Folgen. Die Landschaft war sehr reizvoll und an den „..leis“ fanden wir schöne Aussichten, wo wir unter anderem Drachenflieger beobachten konnten. Bei Neumagen - Dhron hatten wir wieder Asphalt unter den Schuhen. Wir leerten, bei einer Rast am Weinberg
im Seitental, unser Kölschfässchen, fotografierten vorwitzige Eidechsen und genossen die letzten wärmenden Sonnenstrahlen. Wir entschieden, direkt nach Trittenheim zu gehen, auf Los bzw. auf einen Abstecher nach Neumagen-Dhron zu verzichten.
Dort suchten wir nach dem Winzer, bei dem Detlev unser Quartier gebucht hatte. Allerdings war die Straße wo er wohnte sehr lang und die Hälfte der Einwohner des Ortes schien den gleichen Nachnamen zu tragen. Bei einem Pizzabäcker erkundigte sich Detlev nach unserem Winzer. Zuerst wurde ihm völlige Verständnislosigkeit zuteil, doch ein Kellner kannte unseren Winzer.
Wir hatten es dann zum Glück nicht mehr weit. Wir wurden sehr nett in Empfang genommen und die Wirtin bot uns sogleich etwas zu trinken an.
Lorenz quittierte den freundlichen Empfang auf seine Art:: „ Gibt es hier auch fließende Wasser?“. Dem eingangs leicht säuerlichen Gesichtsausdruck folgte eine gleichmütige bis humorvolle Miene und wir wurden zu den Zimmern geleitet.
Zu unseren Zimmern führte ein enges, vollständig mit Holz verkleidetes Treppenhaus. Die Treppe war dick mit Teppich ausgelegt. Die Zimmer waren geräumig und die Doppelbetten darin luden zur sofortigen Nachtruhe ein.
Wir machten uns erst etwas frisch. Manch einer duschte und ich döste auf einem gemütlichen Stuhl unter meine Kappe vor mich hin.
Der Gastraum war sehr geräumig und mit Bildern von Auszeichnungen und von der Mosel ausgestattet. Wir fanden an einem großen Ecktisch Platz.
Der Chef des Hauses gesellte sich zu uns. Der Winzer hatte wettergegerbte große Hände und einen unglaublich dicken Bauch. Uns interessierte natürlich allerlei um die Weinlese und das Winzerhandwerk, aber unser Gastgeber gab sich mit Auskünften sparsam.
Wir waren mitten im Familienleben, als der etwa 14 jährige Sohn auftauchte. Die Pflichten des nächsten Tages wurden besprochen und für den Abend die Zeit für die Heimkehr festgelegt. Die Anweisungen und Absprachen des Hausherrn waren klar und unumstößlich. Bei der Auswahl des Weines wusste er den Geschmack der Gäste zu treffen, genauso wie nur er zu wissen schien, wo er seine Spezialitäten gelagert hatte. Für unser Abendessen bestellte er uns im nahen Anker einen Tisch. Dort trafen wir zum Essen genau ein, als die Bedienung gerade eine Pommes Frites naschte. Die Schnitzel und Steaks auf der Karte waren mit Mädchennamen versehen und so ließen wir unsere Bedienung auch wegen der stibitzten Pommes ein wenig leiden. Wir aßen sehr entspannt und genossen noch Wein und einen Absacker bis wir unsere Sangeskenntnisse entdeckten.
Wir legten eine Nostalgierunde ein, bei der wir alte Schlager und Lieder zum Besten gaben - in gemäßigtem Ton allerdings - fern jedweden Gegröles.
Zurück beim Winzer machten wir es uns in der Gaststube wieder gemütlich. Unser Gastgeber setzte sich wieder zu uns und so wurde manche Flasche lieblichen Weines verköstigt. Die Frau Mutter unseres Winzers ließ es uns zum Frühstück an nichts mangeln. Das Frühstück war üppig und stellte unsere Wandererseelen zufrieden.
Wir waren über die Route zurück zu unseren Autos noch unschlüssig. Als Wanderkarte hatten wir lediglich einen Ausdruck aus dem Internet dabei, da wir ja vermutet hatten, dass der Römersteig auch gut ausgeschildert sei. Unsere Gastgeber hatten eine detaillierte Karte und so entschieden wir den Römersteig über Neumagen-Dhron zurück zu laufen.
Als wir uns verabschiedet hatten gewahrten wir drei Motorradfahrer, die ihr Moped schoben. „Wer sein Moped liebt, der schiebt“ brachte ich hervor. Die Motorradfahrer murmelten eine Bemerkung zu meiner leichten Kleidung. Ich war bei kaltem Nebelwetter in kurzer Hose unterwegs. Im dichten Nebel stiegen wir wieder die Höhe hinauf. Der Weg war sehr schön angelegt und führte teilweise über Treppen bergauf. Wir gingen der Sonne entgegen, die über dem Nebel vom blauen Himmel schien. Der wieder für geübte Kletterer vorgesehene Römersteig führte uns in eine märchenhaft beleuchtete Landschaft.
Weiter oben fanden wir eine Zahnradbahn vor, die lange Franks Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Er probierte jeden Hebel aus und hätten wir ihn nicht weggezerrt hätte er wahrscheinlich eine Runde am Weinberg gedreht.
Wir verließen die Nebelzone und wanderten nun auf den Bergkamm zu. Im Moseltal konnten wir die Nebel sehen, die langsam in die Höhe zogen und sich auflösten. Blätter und Spinnweben waren mit Tautropfen behangen und alles funkelte und glitzerte märchenhaft.
Wir besuchten die Märtyrerkirche kurz vor Neumagen, wo wir uns ins Gästebuch eintrugen. Ich schrieb einige Zeilen an Gott in Sütterlin, was Lorenz auf seine Art mit „Vielen Dank für Eure lieben Wünsche, der liebe Gott“ quittierte.
Am Ortseingang zu Neumagen kamen wir mit einem älteren Winzer ins Gespräch. Stolz verkündete er, dass er schon 76 Jahre alt sei, was man ihm tatsächlich nicht ansah. er erzählte von seinen naturbelassenen alten Rebsorten und die vielen behördlichen Fallstricke für die Winzer.
Am Ende unserer schönen Plauderei empfahl er uns noch ein Lokal für die Mittagsrast. Wir speisten aufs Vorzüglichste und Detlev und ich erhielten als Nachtisch eine Waffel Eis auf die Hand - auf Kosten des Hauses. An der Mosel liefen wir nun Piesport entgegen. Genau genommen wanderten Frank und ich vorneweg, während Detlev und Lorenz hinterher spazierten.
Am Drachenfliegerlandeplatz interviewten wir einen Drachenflieger und beobachteten die ein oder andere gelungene Landung. In Piesport trennten sich unsere Wege. Während ich im Eilschritt nach Minheim marschierte besuchten die Anderen noch einmal das Kelterfest und wanderten über die Höhe nach Minheim. Zum Tanzen habe ich es dann leider doch nicht geschafft, da ich 1 ½ Stunden im Stau stand. Gleichwohl hatte ich Gelegenheit mich mit den Tänzern zu unterhalten und mich auf den folgenden Montag vorzubereiten. Hier kann man noch einen Blick auf die Karte werfen: http://www.moselvielfalt.de/steig.htm